Westliche Kräuter
Häufig werde ich gefragt, ob wir statt chinesischer Kräuter nicht besser westliche Heilpflanzen verwenden können.
Auch ich war zu Beginn meiner therapeutischen Tätigkeit von dieser Idee sehr angetan, habe mich mit den Jahren jedoch bewusst davon distanziert.
Gerne nutze ich heimische Pflanzen für leichtere Beschwerden, zur allgemeinen Unterstützung oder als unkomplizierten Impuls für den Alltag. Westliche Kräuter sind oft leicht in Reformhäusern oder Kräuterläden erhältlich, und der Gedanke, vor allem das zu nutzen, was vor der eigenen Haustür wächst, ist verständlich und sympathisch.
Geht es jedoch um tiefere, chronische oder komplexe Beschwerden, stoßen westliche Kräuter in diesem Kontext an ihre Grenzen.
Wenn Sie bei mir in ostasiatischer Behandlung sind (ob traditionell chinesisch, japanisch oder koreanisch), erstelle ich die Diagnose nach den klassischen Kriterien dieser Medizinsysteme. Für diesen ganzheitlichen Blick ist es therapeutisch selten sinnvoll, mitten im Prozess das System zu wechseln.
Die ostasiatische Phytotherapie blickt auf eine fundierte, jahrtausendealte Erfahrungs- und Anwendungsgeschichte zurück: Jedes Kraut ist in seiner Thermik, Geschmacksrichtung und Leitbahnwirkung exakt dokumentiert und in bewährten Rezepturstrukturen aufeinander abgestimmt.
Ernsthafte Versuche, klassische Rezepturen 1:1 durch westliche Kräuter zu ersetzen, gibt es erst seit etwa 30 Jahren. Die therapeutische Verlässlichkeit reicht hier oft nicht an die der traditionellen Vorbilder heran. Zudem erfordern solche Substitutionen meist sehr hohe Dosierungen, sodass auch der vermeintliche Preisvorteil entfällt.
Um eine in sich geschlossene, wirkungsvolle und sichere Behandlung zu gewährleisten, arbeite ich daher bei entsprechenden Diagnosen konsequent mit den originalen ostasiatischen Arzneidrogen.
Zu einer weiteren manuellen Therapie in der chinesischen Medizin, dem Schröpfen, geht es hier!
